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Warum es manchmal gut tut, Tränen zu vergießen

    man wiping his tears

    Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass uns das Jahr 2020 mehr als genug Gründe zum Weinen geliefert hat. Dennoch scheint es, dass wir auch schon vor dem letzten Jahr ziemlich häufig schluchzten. Studien zufolge weinen amerikanische Frauen im Durchschnitt 3,5 Mal pro Monat, während amerikanische Männer 1,9 Mal pro Monat weinen. Diese Ergebnisse mögen einige von uns überraschen, zumal Schluchzen – vor allem bei Männern – in unserer Gesellschaft lange Zeit als Zeichen von Schwäche und mangelnder emotionaler Stärke angesehen wurde.

    Weinen ist eine natürliche Reaktion auf ein breites Spektrum von Emotionen, von tiefer Traurigkeit und Verlust bis hin zu intensiver Ekstase und Verzückung, als ein Phänomen, das nur dem Menschen eigen ist. Ist es dennoch gesundheitsfördernd, zu weinen? Ja, die Antwort scheint zu lauten. Die gesundheitlichen Vorteile des Weinens sind bereits seit der Antike bekannt. Den griechischen und römischen Philosophen und Medizinern der Antike zufolge wirken Tränen wie ein Abführmittel, das uns entwässert und reinigt. Die heutige Psychologie stimmt dem im Wesentlichen zu und hebt die Funktion des Weinens als Mechanismus zum Abbau von Stress und emotionalem Schmerz hervor.

    Weinen ist ein notwendiges Sicherheitsventil, da das Zurückhalten unangenehmer Gefühle – was Psychologen als repressive Bewältigung bezeichnen – unserer Gesundheit schaden kann. Repressive Bewältigung wird mit einem geschwächten Immunsystem, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck sowie mit psychischen Problemen wie Stress, Sorgen und Traurigkeit in Verbindung gebracht. Weinen verbessert nachweislich auch das Bindungsverhalten und fördert Intimität, Einfühlungsvermögen und familiäre Unterstützung.

    Das flüssige Produkt des Schluchzens wird von Wissenschaftlern in drei Gruppen eingeteilt: Reflextränen, Dauertränen und emotionale Tränen. Die ersten beiden Kategorien sind für die Entfernung von Stoffen aus unseren Augen, wie Rauch und Staub, sowie für die Befeuchtung der Augen zum Schutz vor Infektionen zuständig. Sie bestehen zu 98 Prozent aus Wasser.

    Emotionale Tränen (die Stresshormone und andere Gifte aus unserem System ableiten) sind die Gruppe mit den größten potenziellen gesundheitlichen Vorteilen. Studien zufolge setzt Weinen Oxytocin und körpereigene Opioide frei, die gemeinhin als Endorphine bekannt sind. Diese Wohlfühlmoleküle helfen bei der Linderung von körperlichen und emotionalen Beschwerden. In der Populärkultur wiederum hat man schon lange erkannt, wie wichtig es ist, sich auszuweinen, um sich besser zu fühlen – und vielleicht sogar körperliche Freude zu empfinden. Millionen von Menschen, die legendäre Tränenfilme wie West Side Story oder Titanic (und andere) gesehen haben, können dies bestätigen.