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Ein neues Online-Modell sagt voraus, bei welchen Männern mit aktiver Überwachung weniger Biopsien durchgeführt werden sollten

    doctor and nurses inside operating room

    Viele Männer mit Prostatakrebs mit geringem Risiko, bei denen es unwahrscheinlich ist, dass sie Symptome entwickeln oder der Krebs sich ausbreitet, haben sich in den letzten zehn Jahren für eine aktive Überwachung (Active Surveillance, AS) statt einer sofortigen Behandlung entschieden. Die aktive Überwachung umfasst regelmäßige PSA-Tests und Biopsien des Prostatatumors, und der Krebs wird nur behandelt, wenn er fortschreitet. Dieser Ansatz hat einige Nachteile, darunter die Tatsache, dass wiederholte Biopsien, die erforderlich sind, um das Wachstum des Krebses zu verfolgen, kostspielig und unangenehm sind und ein geringes Infektionsrisiko bergen.

    Forscher kommen nun zu dem Schluss, dass einige Menschen mit AS nicht so häufig erneut biopsiert werden müssen wie andere. Laut Dr. Matthew Cooperberg, Urologe an der Universität von Kalifornien in San Francisco, macht eine einheitliche Vorgehensweise bei Biopsien “biologisch wenig Sinn”, da sich Prostatakrebs nach der Diagnose unterschiedlich verhält. Nach den derzeitigen Richtlinien sind Biopsien alle ein bis drei Jahre erforderlich.

    Cooperberg und seine Kollegen suchten dagegen nach Männern, die einen weniger anstrengenden Zeitplan sicher einhalten konnten.

    Sie analysierten die Daten von zwei großen AS-Kohorten: eine im Rahmen der Canary Prostate Active Surveillance Study, die derzeit in neun Zentren in Nordamerika durchgeführt wird, und die andere an der UCSF. Die Forscher verfolgten über 1.400 Männer, bei denen zwischen 2003 und 2017 die Diagnose gestellt wurde, durchschnittlich vier Jahre lang. Es gibt viele Faktoren, die vorhersagen, ob sein Krebs aggressiver wird, so die Forscher.

    Diese und andere Faktoren flossen in ein Online-Modell ein, das die Risikostufen der Männer darstellte.

    Den Forschern zufolge deuten die Daten darauf hin, dass “große Teilpopulationen von Männern in der Lage sein könnten, weitere Biopsien und sogar mehrere PSA-Intervalltests zu vermeiden”. Noch wichtiger ist jedoch, dass das Modell den Männern keine Empfehlungen gibt, ob sie sich einer Biopsie unterziehen sollen oder nicht. “Es ist keine Ja-oder-Nein-Untersuchung”, so Cooperberg weiter, “vielmehr nutzt es alle verfügbaren Daten, um eine präzisere Risikobewertung für die gemeinsame Entscheidungsfindung zwischen einem Mann und seinem Arzt zu erstellen.”

    Laut Cooperberg können Ärzte auch andere Arten von prognostischen Informationen nutzen, wie z. B. Magnetresonanztomographie oder genetische Biomarker-Studien, um diejenigen zu identifizieren, die Biopsien ganz vermeiden könnten. Diese innovativen Instrumente werden derzeit untersucht, und in den klinischen AS-Leitlinien werden sie nicht empfohlen. “Wir würden die AS gerne ganz ohne Biopsien durchführen und einem großen Prozentsatz von Männern sagen, dass sie nie einen aggressiven Krebs bekommen werden”, so Cooperberg. “Aber so weit sind wir noch nicht.”